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Gutes wissenschaftliches Arbeiten muss man erstmal gelernt sein. Den einen liegt es mehr, für die anderen ist es eine Tortur. Falls ihr zu der zweiten Gruppe gehört, habe ich hier ein paar gute Tips von einem Profi. Profi, weil er bereits über 80 wissenschaftliche Arbeiten geschrieben hat und keine davon hat er selbst eingereicht. Es handelt sich um einen Ghostwriter. In einem Artikel der Zeit Online erklärt er, wie man das Schreiben richtig angeht und wie eine gute Arbeit entsteht.
Erhält er einen Auftrag (der Preis liegt bei 25 Euro die Seite), beginnt er zuerst mit der Basisrecherche, sieht sich die Definitionen der verwendbaren Begriffe an und verschafft sich einen Überblick über die Thematik. Dazu behilft er sich auch gerne mal bei Wikipedia. Die Online Enzyklopädie ist nur für Begriffsdefinitionen hervorragend, sondern auch um sich Standardliteratur herauszusuchen. Für alle Google-Fans da draussen hat der Ghostwriter einen empfehlenswerten Tip: „Gut ist auch, bei Google nach dem Thema in Kombination mit »file: pdf« zu suchen. So findet man meist ein paar Aufsätze, idealerweise sind ein, zwei Übersichtstexte darunter.“ Als Ghostwriter sucht er aber nicht nur in Netz, sondern bedient sich auch ab und zu in der Bibliothek oder bekommt Bücher von den Kunden zugeschickt.
Nach dieser „Einwärmphase“ geht es darum, sich eine präzise Fragestellung zu überlegen und eine Haltung zum Thema einzunehmen. Es ist wichtig, diesen Standpunkt während der gesamten Arbeit unbedingt zu vertreten, denn laut dem Ghostwriter hassen Professoren schwammige Arbeiten. Das Wichtigste ist ,dass das Ziel und das Ergebnis der Arbeit von Anfang an expliziert werden.
Ein zweites wichtiges Kriterium ist das zielgerichtete Lesen und Schreiben. Es spart Zeit und die Arbeit wirkt am Schluss weniger chaotisch. Das Problem vieler Studenten ist, dass sie zuviel lesen und alles was sie für relevant empfinden in die Arbeit einbauen möchten. Um der Arbeit Struktur zu verleihen, ist es sinnvoll, wenn man sich unter jedes Kapitel und Unterkapitel die Anzahl Seiten notiert, die man schätzungsweise benötigt. Der Ghostwriter meint, je genauer diese Struktur ist, desto effektiver kann man die Literatur nach brauchbarem Material durchscannen.
Wie man trotz wenigen massgebenden Quellen auf ein ansehnliches Literatur-verzeichnis kommt, erklärt der Ghostwriter wie folgt:
„Wenn ich den Text geschrieben habe, habe ich immer noch einmal Referenzen drübergezogen wie eine zweite Schicht. Je mehr, desto besser. Wenn man etwas sehr genau wiedergibt oder sogar einen Textteil übernimmt, muss man das in der Fußnote natürlich seitengenau angeben. Aber wenn man [...] über [etwas]schreibt [...] kann man natürlich bei Amazon schauen, welche Standardwerke es [...] gibt. Wenn diese Werke auch in einem anderen Text zitiert werden, [...], kann man das Buch als Referenz nehmen, ohne es selbst gelesen zu haben. Man sagt ja an der Stelle nur: Wenn ihr was über die Literaturszene [...] wissen wollt, dann vergleicht hier und da, das sind die Standardwerke.“
Damit die Arbeit den Leser in seinen Bann zieht, ist es sinnvoll, die Einleitung erst zu schreiben, wenn man weiss, welches Ziel verfolgt wird, welche Fragen gestellt werden und welche Positionen eingenommen werden. „Die Einleitung sollte den Leser in die Arbeit, in die Fragestellung regelrecht reinziehen. Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman.“



