maccarbis

Leistungsnachweis IGEP

how to…

Gutes wissenschaftliches Arbeiten muss man erstmal gelernt sein. Den einen liegt es mehr, für die anderen ist es eine Tortur. Falls ihr zu der zweiten Gruppe gehört, habe ich hier ein paar gute Tips von einem Profi. Profi, weil er bereits über 80 wissenschaftliche Arbeiten geschrieben hat und keine davon hat er selbst eingereicht. Es handelt sich um einen Ghostwriter. In einem Artikel der Zeit Online erklärt er, wie man das Schreiben richtig angeht und wie eine gute Arbeit entsteht.

Erhält er einen Auftrag (der Preis liegt bei 25 Euro die Seite), beginnt er zuerst mit der Basisrecherche, sieht sich die Definitionen der verwendbaren Begriffe an und verschafft sich einen Überblick über die Thematik. Dazu behilft er sich auch gerne mal bei Wikipedia. Die Online Enzyklopädie ist nur für Begriffsdefinitionen hervorragend, sondern auch um sich Standardliteratur herauszusuchen. Für alle Google-Fans da draussen hat der Ghostwriter einen empfehlenswerten Tip: „Gut ist auch, bei Google nach dem Thema in Kombination mit »file: pdf« zu suchen. So findet man meist ein paar Aufsätze, idealerweise sind ein, zwei Übersichtstexte darunter.“  Als Ghostwriter sucht er aber nicht nur in Netz, sondern bedient sich auch ab und zu in der Bibliothek oder bekommt Bücher von den Kunden zugeschickt.

Nach dieser „Einwärmphase“ geht es darum, sich eine präzise Fragestellung zu überlegen und eine Haltung zum Thema einzunehmen. Es ist wichtig, diesen Standpunkt  während der gesamten Arbeit unbedingt zu vertreten, denn laut dem Ghostwriter hassen Professoren schwammige Arbeiten. Das Wichtigste ist ,dass das Ziel und das Ergebnis der Arbeit von Anfang an expliziert werden.

Ein zweites wichtiges Kriterium ist das zielgerichtete Lesen und Schreiben. Es spart Zeit und die Arbeit wirkt am Schluss weniger chaotisch. Das Problem vieler Studenten ist, dass sie zuviel lesen und alles was sie für relevant empfinden in die Arbeit einbauen möchten. Um der Arbeit Struktur zu verleihen, ist es sinnvoll, wenn man sich unter jedes Kapitel und Unterkapitel die Anzahl Seiten notiert, die man schätzungsweise benötigt. Der Ghostwriter meint, je genauer diese Struktur ist, desto effektiver kann man die Literatur nach brauchbarem Material durchscannen.

Wie man trotz wenigen massgebenden Quellen auf ein ansehnliches Literatur-verzeichnis kommt, erklärt der Ghostwriter wie folgt:

„Wenn ich den Text geschrieben habe, habe ich immer noch einmal Referenzen drübergezogen wie eine zweite Schicht. Je mehr, desto besser. Wenn man etwas sehr genau wiedergibt oder sogar einen Textteil übernimmt, muss man das in der Fußnote natürlich seitengenau angeben. Aber wenn man [...] über [etwas]schreibt [...] kann man natürlich bei Amazon schauen, welche Standardwerke es [...] gibt. Wenn diese Werke auch in einem anderen Text zitiert werden, [...], kann man das Buch als Referenz nehmen, ohne es selbst gelesen zu haben. Man sagt ja an der Stelle nur: Wenn ihr was über die Literaturszene [...] wissen wollt, dann vergleicht hier und da, das sind die Standardwerke.“

Damit die Arbeit den Leser in seinen Bann zieht, ist es sinnvoll, die Einleitung erst zu schreiben, wenn man weiss, welches Ziel verfolgt wird, welche Fragen gestellt werden und welche Positionen eingenommen werden. „Die Einleitung sollte den Leser in die Arbeit, in die Fragestellung regelrecht reinziehen. Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman.“

passend zur Weihnachtszeit…

eine Werbekampanie der Universiätsbibliothek Bergen, Norwegen

(falls kein Untertitel erschein, bitte auf den CC Button drücken)

Warum plagiiert man…?

Wir alle wissen, dass es nicht nur der Inhalt eine wissenschaftliche Arbeit ausmacht, sondern auch die korrekte Zitierweise. Die Schulen versuchen den Schülern das wissenschaftliche Arbeiten beizubringen, ihnen zu erklären, wieso man zitieren muss und wie man es richtig macht. Weshalb also wird dann plagiiert? Um diese Frage zu beantworten, habe ich mich einmal mehr beim Plagiats-Portal der HTW Berlin bedient. Man findet dort eine Lerneinheit zum Thema „Fremde Federn finden“. Dabei fand ich in einem Abschnitt vier mögliche Erklärungen zu dieser Fragestellung.

Wir als angehende Informationswissenschaftler lernen im Studium, wie man richtig recherchiert. Doch nicht in jedem Studiengang wird soviel Zeit in diese Thematik investiert. Die Studenten müssen sich vieles selber beibringen und ob diese selbsterworbenen Fähigkeiten gut genug sind für eine anspruchsvolle Arbeit, lässt sich diskutieren. Vielen Studenten mangelt es an der Recherchefähigkeit. Oft verwenden Studenten Informationen, die sie irgendwo mal gelesen haben, jedoch nicht mehr finden können. Oder sie übernehmen Sätze, die besonders gut klingen und vergessen im Nachhinein die Quelle zu zitieren. Mir persönlich ist es auch schon passiert, dass ich die Quelle nicht mehr gefunden habe, weil ich sie mir nicht gleich notiert habe. Deswegen ist es wichtig, bei der Recherche auch gleich alle Quellen zu notieren und nicht nur die Zitate, die man übernehmen möchte. So erspart man sich viel Zeit beim Erstellen des Literaturverzeichnisses. Dadurch, dass man die Quelle nicht mehr findet, wird der Student bereits ein ersten Mal Versuchung geführt, das Zitat ohne Angaben zu übernehmen, anstatt sich die Mühe zu machen, nach der Quelle zu suchen.

Eine zweite Erklärung ist die Vielfalt der Zitierweisen. Im Dschungel der verschiedenen Möglichkeiten ist es schwierig, sich zurecht zu finden. Besonders URLs scheinen laut dem Plagiat-Portal eine verzwickte Sache zu sein. Da Links sich verändern können, nicht mehr gültig oder einfach nur zeilenlang sind, lässt man sie kurzerhand einfach weg oder zitiert einen Bericht auf Spiegel Online einfach unter www. spiegel.de. Quellenverzeichnisse sind nicht dazu da, den Studenten einen mühsamen Mehraufwand aufzubürden, sondern damit die lesende Person nachvollziehen kann, welche Zitate man benutzt hat und in welchem Zusammenhang sie stehen.

Ein weiteres Kriterium kann der Notendruck sein. Jeder möchte eine möglichst anspruchsvolle Arbeit abgeben, um damit gute Noten zu erzielen. So kann man sich selbst und seinem Umfeld beweisen, dass man etwas im Kopf hat. Doch wen interessiert es schlussendlich noch, ob Student X im 1. Semester nur eine 4.5 für seine Semesterarbeit erhalten hat? Absolut niemanden. Alles was eine 4 und höher ist, ist ja bestanden und darum geht es in einem Studium. Aber genau diesen Druck verleitet die Studenten zu „unsauberem“ arbeiten.

Und zu guter Letzt spielt das schlechte Zeitmanagement eine Rolle beim plagiieren. Studenten sind nicht einfach nur am studieren, sie arbeiten nebenbei, haben Familie, möchten Zeit mit Freunden verbringen und ihren Hobbies nachgehen. Um all das unter einen Hut zu bringen, braucht es ein gutes Zeitmanagement, dass aber nicht alle Studenten schaffen. Wieso also mehr Zeit in die Erstellung von korrekten Arbeiten investieren, wenn es auch mit plagiieren geht?

die HTW Chur und das Plagiat…

Wie bereits angekündigt, stand mir Herr Dahinden (Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft) als Interviewpartner zum Thema „die HTW Chur und das Plagiat“ Red und Antwort. Er arbeitet seit drei Jahren an der HTW Chur und beschäftigt sich seit ca. zwei Jahren intensiver mit dem Thema Plagiarismus.

Die HTW veranstaltete im September 2009 eine Tagung namens „lernende Bibliothek“ mit dem Schwerpunkt Plagiate. Zur Vorbereitung dieser Tagung haben die Dozenten zusammen mit den Studenten eine Umfrage lanciert, um herauszufinden, wie Universitäten und Hochschulen mit dieser Thematik umgehen. Daraus entstand ein Buch, dessen Themen sich auch in den Churer Schriften wiederfinden.

Die Medien wurden dann durch diese Tagung auf ihn aufmerksam und haben Anfragen für Interviews gestartet. So wurde er als Plagiatsforscher bekannt, obwohl er lachend meinte, dass er noch nie so schnell ein Experte in einem Fachbereich wurde. Trotz Auseinandersetzung mit Plagiarismus, hat Herr Dahinden privat keine Zeit, in den gängigen Plagiats-Wiki wie VroniPlag mitzumischen. Doch er hält sich stets auf dem Laufenden und kennt sich mit der Thematik gut aus.

Nachdem ich die Stellungnahme über Abschlussarbeiten auf dem Plagiats-Portal der HTW Berlin gelesen habe, wollte ich wissen, wie bei der HTW Chur mit Abschlussarbeiten umgegangen wird. Herr Dahinden hat mir erklärt, dass die Arbeiten vom Referenten und Co-Referenten gelesen werden. Nicht jede eingereichte Arbeit wird mit der Plagiatserkennungssoftware geprüft, sondern sie kommt nur bei konkreten Verdachtsfällen zum Einsatz. Der Verdacht kann entstehen, wenn die Absätze sich im Schreibstil unterscheiden. Beispielsweise wenn ein Student schriftlich weniger begabt ist und in der Arbeit erscheinen dann literarisch hochstehende Sätze. Oder wenn ein Schweizer anstelle eines doppelten s, das deutsche scharfe s benutzen.

Wenn der Verdacht besteht, erhält der Dozent einen Account für das Programm. Findet das System Stellen, die übernommen wurden, werden sie gelb markiert und der Dozent muss nachprüfen ob die Stellen korrekt zitiert wurden oder ob es sich um ein Plagiat handelt. Die HTW Chur arbeitet mit dem Programm Ephorus, welches im Softwaretest den 3. Rang erhielt.

Bis jetzt werden die Dozenten noch nicht speziell auf Plagiatserkennung sensibilisiert, es wäre seiner Ansicht nach jedoch sicherlich von Vorteil einen Kurs einzuführen. Oft ist es leider auch für Dozierende bequemer, wenn man über gewisse Verdächtigungen hinwegschaut und die Arbeit akzeptiert. Ansonsten müsste man sich die Software besorgen und alle Verdachtsstellen überprüfen. Ein klarer Mehraufwand für Dozenten. Trotzdem gab es auch an der HTW Chur schon mehrere aufgedeckte Fälle von Plagarismus. Die Arbeit wurde nicht anerkannt und der Studierende musste die Arbeit noch einmal schreiben.

Herr Dahinden vertritt die Meinung, dass jede eingereichte Arbeit mit dem Programm kontrolliert werden sollte. Der Grund ist nicht, dass alle Studenten unter einen General-Verdacht gestellt werden, sondern dass schon den Erstsemester-Studenten bewusst wird, wie wichtig korrektes Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten ist. Durch das Wissen, dass verschärft kontrolliert wird, kann der Anteil der Plagiate eingedämmt werden.

nochmals gut gegangen…

Die Deutsche Kinderkrebshilfe ist um 20′ooo Euro reicher. Bedanken kann sie sich bei Guttenberg, der hat die Transaktion, wenn auch nicht ganz freiwillig, getätigt. Eigentlich sollte er sich bedanken, denn so bleibt ihm ein Gerichtsprozess erspart (der sicher auch nicht günstig gewesen wäre).

Gemäss der Staatsanwaltschaft Hof, hat man das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Politiker eingestellt, wenn er sich bereit erkläre, im Gegenzug eine “Busse” in Form einer Spende zu zahlen.

Ein weiterer Pluspunkt für Guttenberg ist die Tatsache, dass er sich mit dieser Zahlung/Spende auch vor einem Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis retten konnte. Die weisse Weste kann er politisch zwar nicht mehr aufweisen, auf Papier hat er sie jedoch noch.

Teilweise nützlich, kaum brauchbar oder nutzlos…

Während meinen Recherchen über ein neues Thema für meinen Blogeintrag, ist mir aufgefallen, das die deutschen Universitäten in Punkto Plagiat aufrüsten. So hat etwa die HTW Berlin ein Plagiat Portal eingerichtet, das rund um das Thema informiert und diesbezüglich auch Arbeit leistet. Ich habe dieses Portal bereits in meine Blog “die Pfauen und die Krähe” mit einbezogen und möchte nun einen weiteren Blick auf ihre Arbeit werfen.

Die Thematik ist top aktuell und wird auch in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Es geht um Software zur Plagiatserkennung. Das Portal hat Ergebnisse eines Tests von 2010 veröffentlicht, bei dem 26 Programme unter die Lupe genommen wurden. Die Ergebnisse sind ernüchtern, wie in der Zusammenfassung zu lesen ist.

Bereits 2004, 2007 und 2008 wurden solche Tests durchgeführt, diese Daten dienten dem Portal als Vergleichsmöglichkeit für positive und negative Veränderungen. Zwar fand man ganze 47 Programme, jedoch musste die Anzahl einerseits aus Zeitgründen und andererseits Unzugänglichkeit gekürzt werden. Unzugänglich, weil einige Programmanbieter nicht mehr bereit waren teilzunehmen, weil sie in den vorigen Tests schlecht abgeschnitten haben. Meine persönliche Meinung hierzu ist, dass dieser neu angesetzte Test eine Chance für diese Anbieter wäre, zu zeigen, dass sie sich verbessert haben und sich die schlechten Testergebnisse zu Herzen genommen haben.

Jedes System wurde mit 42 Essays getestet. Diese sind in deutscher, englischer und japanischer Sprache verfasst worden. Nebst den aufgedeckten Plagiatsfällen, wurde auch die Benutzerfreundlichkeit der Systeme und die Professionalität der Unternehmen, die hinter dem Programm stehen bewertet. Die Ergebnisse wurden in drei Kategorien eingeteilt: teilweise nützlich, kaum brauchbar und nutzlos. Gerade mal 1/5 der Programme erreichte die Kategorie “teilweise nützlich”.

Die Ergebnisse der Tests haben das Portal dazu bewegt in ihrer Empfehlung darauf hinzuweisen, dass Plagiatserkennungssoftware nur bei konkretem Verdacht verwendet werden soll, die Hochschulen jedoch verstärkt Aufklärungsarbeiten in Bezug auf korrektes wissenschaftliches Arbeiten leisten soll. So kann man das Problem bereits in seinem Ursprung bewältigen und der Zeitaufwand für die Durchsuchung der eingereichten Arbeiten nimmt ab.

In meinem nächsten Blog werde ich Prof. Dr. Dahinden von der HTW Chur zum Thema Umgang mit Plagiaten interviewen.

Wer einen Blick auf die Testergebnisse des Plagiat Portals werfen möchte, findet den Link hier.

Guttenberg goes Hollywood…

Gerade erst ist es ruhig um Herr zu Guttenberg geworden. Lag wohl daran, dass er sich mit seiner Familie in die USA abgesetzt hat um dem ganzen Rummel um seine Person den Rücken zu kehren. Derzeit arbeitet er in einem renommierten Politik-Institut, das Center for Strategic and International Studies (CSIS). Eingesetzt wird er im transatlantischen Dialogforum, welches die Stärkung der Beziehungen zwischen Europa und den USA zum Ziel hat.

Mit der Ruhe war es aber Mitte Oktober wieder vorbei, als Erfolgsproduzent Nico Hofmann (“Das Tunnel“, “die Flucht“) in einem Interview mit der Bild bekannt gab, dass er nächstes Jahr mit dem Dreh zur Verfilmung von Guttenbergs Aufstieg und Fall beginnen wird.

Die Produktion wird als Satire gedreht, mit viel Humor, verrät Hofmann weiter. Zudem wird Guttenberg im Film einen anderen Namen tragen um das Persönlichkeitsrecht zu respektieren. Auch der Titel ist bereits bekannt. Nicht etwa wie ihr jetzt erwartet “Guttenberg – Aufstieg und Fall” , sondern “der grosse Bruder”. Na wenn das mal nicht eine versteckte Anspielung auf Big Brother a.k.a. the world wide web ist. Im Internet wird ja schliesslich (fast) alles aufgedeckt, dass weiss Karl Theodor nur zu gut :-)

Ich bin gespannt auf den Film, Hofmann ist jedenfalls bereits guter Dinge und meint abschliessend, dass Guttenberg den Film mögen wird!

Guttenberg goes Hollywood

Den Tätern auf der Spur…

Immer häufiger finden sich in der Presse rund um den Globus Artikel, die über Plagiatsverdachte von Herr und Frau Doktor schreiben. Doch wer steckt eigentlich hinter diesen Ermittlungen? Wer nimmt sich die Mühe, Dissertationen unter die Lupe zu nehmen und zu recherchieren, ob es sich bei der Arbeit um ein Plagiat handelt oder nicht?

Neustes Mitglied im Club Guttenberg und Co. ist Prof. Dr. Detlev Dähnert, Chef des Energiekonzerns Vattenfall. Er soll bei seiner Doktorarbeit, die er 1999 vorgelegt hatte, grosse Teile abgeschrieben haben. Eine Analyse über die Dissertation findet sich im VroniPlag Wiki. Dabei wurde festgestellt, dass 38.46 % seiner Arbeit aus Plagiaten besteht, das sind 45 von 120 Seiten.

Doch was steckt hinter dem Wiki VroniPlag? VroniPlag wurde Ende März 2011 gegründet und nach dem ersten “Opfer“ benannt. Diese Persönlichkeit ist niemand geringeres als Edmund Stoibers Tochter Veronica Sass. Ihr wurde am 11. Mai der Doktorgrad aberkannt, schliesslich schaffte sie es auf 53.98 % Plagiatanteile. Bis heute sind 16 Fälle von „Plagiatoren“ bekannt, darunter sind viele Politiker.

Die Vorgehensweise von VroniPlag beschreibt das Wiki im Fall Silvana Koch-Mehrin selbst so:

„Die Analyse der Dissertation fand in mehreren Schritten statt. Im ersten Schritt dokumentierten Benutzer vermutete Plagiate. Wie auch in der Wikipedia ist diese Dokumentation anonym möglich. Die Einordnungen und die Quellenangaben wurden auf der Seite Neue Fundstellen dokumentiert. Nach anschließender Verifizierung wurden die betroffenen Stellen der Dissertation in Fragmente unterteilt, welche den direkten Vergleich mit den Originalen ermöglichen. Vor der Visualisierung der Ergebnisse im „Barcode“ wurde eine zusätzliche Plausibilitätsprüfung nach dem „Vier-Augen-Prinzip“ durchgeführt.”

Diesen Barcode findet man zu jedem untersuchten Fall auf der Webseite von VroniPlag.

Zurzeit führt Dr. Arne Heller die Rangliste bezüglich Plagiatanteile mit sage und schreibe 84.44 % an. Dabei ist aber noch zu bemerken, dass dieses Resultat weitere 10 % unter dem von Guttenberg liegt. Der schaffte es nämlich auf 94%, jedoch wurde diese Analyse nicht von VroniPlag durchgeführt.

Wer also Gutes tun möchte und sich gegen den Kampf der Plagiatoren einsetzen will, der kann sich bei VroniPlag anmelden und mit seinen Recherchen starten.

In den Regalen der HTW…

Mit 25000 Bestandsexemplaren ist die Bibliothek der HTW Chur im Gegensatz zu Universitätsbibliotheken relativ klein. Doch auch hier hat es ein Bandwurmtitel irgendwie in die Regale geschafft. Cristina Carlino, Leiterin der Bibliothek HTW Chur erklärte mir in einem Interview wie das passieren konnte.

Die Bibliothek hat für die meisten Bereiche Fachverantwortliche, meist Dozenten, die Neuerwerbungen unter die Lupe nehmen und dann entscheiden, ob das Medium zum Bestand hinzugefügt werden soll oder nicht. Dafür sind die Bibliotheksmitarbeiter sehr dankbar, denn ihnen fehlt je nach Themenschwerpunkt die Kenntnis, um über eine Aufnahme zu entscheiden.

Neuerwerbungen werden nicht nur von Dozenten vorgeschlagen, es kommen auch öfters Anfragen von Studenten. Diese Wunschäusserung ist z.B. über ein Formular auf der Webseite der HTW Chur, Sparte Bibliothek möglich. Diese Dienstleistung wird besonders von Tourismus-, Betriebsökonomie- und Multimediastudenten genutzt. Die Anfragen werden dann direkt an den zuständigen Fachverantwortlichen weitergeleitet, der die Medien bewertet und seine Empfehlung abgibt. Nur in etwa 20 % dieser Anfragen müssen jedoch abgelehnt werden, weil sie z.B. zu spezifisch sind.

Laut meinen Recherchen im Nebis-Katalog bin ich auf keine Medien gestossen, die von dubiosen Verlagen wie Books.llc oder Alphascript publiziert werden. Darauf hin meinte Frau Carlino, dass man auch keine solchen Bücher finden würde, da die Bestände diesbezüglich „gesäubert“ wurden. Grund dafür war auch ein Aufruf einer Bibliothekarin aus Muttenz die auf dieses Thema aufmerksam machte und empfahl, diese Art von Büchern nicht zu unterstützen.

Kurz vor diesem Aufruf hatte es trotzdem ein Buch in die Regale der HTW geschafft hat, erklärte Frau Carlino im Interview. Anfang Jahr gab es einen Anschaffungsvorschlag eines neueren Fachverantwortlichen, dem die Bibliotheksleitung dann auch nachkam. Wie oben bereits erwähnt, verlässt man sich auf die Vorschläge der Fachverantwortlichen. Erst ein Hinweis einer Bibliotheksmitarbeiterin, die für das Katalogisieren zuständig ist, hat die Kolleginnen auf das Sammelsurium der Wikipedia Artikeln aufmerksam gemacht. Daraufhin wurde das Buch ausgesondert und der Fachperson, die es bestellt hatte, weiterverschenkt. Seit diesem Vorfall, nimmt man sich besonders in Acht vor diesen Verlagen. Durch die eigene Erfahrung und den Aufruf im Fachbereich, wurden die Bibliotheksmitarbeiter gleich von zwei Seiten her auf die Thematik sensibilisiert.

Wer jetzt auf die dumme Idee kommen sollte, auszuprobieren, ob die Mitarbeiter wirklich die Anschaffung eines Bandwurmtitels ablehnen, sollte besser wissen, dass alle Erwerbswünsche anhand einer Datenbank zurückverfolgt werden können :-)

Hier noch eine Liste von Verlagen, von denen ihr kein Buch kaufen sollt:

  • Alphascript Publishing
  • Books Llc
  • Bucher Llc
  • GRIN-Verlag

Copy + Paste = Buch

Wusstet ihr eigentlich, wie einfach es ist, ein Buch zu veröffentlichen? Nun ja, viele denken sich jetzt, dass meine Aussage falsch ist, denn hinter einer Buchpublikation steckt ein Haufen Arbeit. Erst einmal müssen 300 Seiten beschrieben werden, dann muss ein Verlag gefunden werden, der bereit ist, diese 300 Seiten zu drucken. Wenn ihr dachtet, dass 300 Seiten zu schreiben schwierig ist, dann versucht erstmal einen Verlag zu finden. Sogar Umberto Eco musste das Manuskript „der Name der Rose“ an sage und schreibe mehr als drei Dutzend Verlage senden, bis einer dann das Manuskript gut genug fand, um es zu veröffentlichen. Nun ja, und dann muss sich das Buch natürlich noch verkaufen. Am besten auf Amazon, da schauen täglich Tausende von Leseratten rein. Das, liebe Leute, wäre der Weg, den jeder Autor auf sich nehmen müsste.

Zurück zu meiner Aussage. Bei meinen Recherchen für den Blog, bin ich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung gestossen, der über sogenannte Bandwurmtitel berichtet. Dabei werden von dubiosen Verlagen Bücher über den Amazon Marketplace angeboten, meist mit nicht endenden Titeln und einfarbigen Buchcover. Der Inhalt dieser Bücher ist nur eine Ansammlung von thematisch zusammenhängenden Wikipedia-Artikeln. Man kauft also ein Buch, dessen Inhalt man im Internet kostenlos anschauen kann. Wie paradox ist denn das?

Der amerikanische Verleger „books.Llc“ ist einer dieser Bandwurmtitelhändler. Er weist zwar darauf hin, dass der Inhalt grösstenteils aus Wikipedia-Artikeln besteht und dass schon mal der eine oder andere Fehler auftauchen kann (was auf die computerbasierte Übersetzung zurückzuführen ist), drastischer dagegen sind eher die horrenden Preise, die verlangt werden. Im Gegensatz zu den „richtigen Verlagen“ wird das Buch erst gedruckt, wenn eine Bestellung dafür eingeht.

Trotz des Copy & Paste -Verfahrens, dass diese Verlag anwenden, machen sie sich nicht strafbar. Denn laut Wikipedia dürfen die Artikel kommerziell genutzt werden, wenn im Buch auf die Creative Commons Lizenz und auf die Online-Enzyklopädie hingewiesen wird.

Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine wird auf eine weitere Problematik zu diesem Thema hingewiesen. Je nach Stichwort mit dem bei Amazon gesucht wird, erscheinen mehrere Treffer zu Büchern von „books.llc“ und Co., die sich im Nachhinein jedoch als unnütz herausstellen. Dadurch verschwinden die relevanten Treffer auf die hinteren Plätze und bleiben so oft unerkannt. Im Artikel wird diese Situation mit einem Buchladen verglichen, dass die hochwertigen Büchern hinter einem Berg von Mängelexemplaren versteckt.

Das weitaus grössere Problem dass hier besteht, ist die Tatsache, dass diese Bandwurmtitel es bereits bis in die Regale von Universitätsbibliotheken geschafft haben. In einem anderen Artikel der Süddeutschen Zeitung wird aufgezeigt, wie so etwas passieren kann. Beispielsweise findet man in der Niedersächsischen Landesbibliothek ein Werk, dass das ganze Spektrum englischer Flüche und ordinären Beschimpfungen aufweist. In den Bestand wurde es auf Wunsch eines Nutzers aufgenommen. Denn solange diese Wünsche nicht vulgäre oder rechtsradikale Titel innehaben, kommt man diesen Wünschen meist ohne genauere Prüfung nach.

Wie der Wissensstand in der HTW Bibliothek zu diesem Thema ist und wie detailliert die Bibliotheksmitarbeiter Wünsche von Nutzern prüfen, werde ich im nächsten Blog erläutern.

Fazit: Obwohl die Verlage rechtlich nicht belangt werden können, weil sie geistiges Eigentum von Wikipedia-Autoren verwenden, ist dies für mich doch ein klarer Fall von Plagiarismus und zeigt uns, dass die Thematik allgegenwärtig ist. Wie bereits gesagt; es ist einfacher ein Buch zu veröffentlichen als manche denken…

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